Vorbestellungen sind in der Sammlerszene in den vergangenen Jahren zu einem sensiblen Thema geworden.
Mehrere Händler haben in den letzten Jahren ihren Betrieb eingestellt und Kunden zurückgelassen, die bereits für Figuren bezahlt hatten, die letztlich nie geliefert wurden. Auch die Insolvenz und Liquidation einiger bekannter Unternehmen auf dem europäischen und internationalen Markt hat das Misstrauen vieler Sammler zusätzlich verstärkt.
Manche Kunden haben bei Bestellungen, die teilweise mehr als ein Jahr vor dem angekündigten Erscheinungstermin aufgegeben wurden, mehrere Hundert oder sogar mehrere Tausend Euro verloren.
Angesichts solcher Erfahrungen haben sich viele Sammler dazu entschieden, grundsätzlich keine Vorbestellungen mehr aufzugeben.
Diese Reaktion ist verständlich, bringt jedoch ein anderes Problem mit sich: In einer Branche, in der Sammlerfiguren häufig nur in begrenzten Stückzahlen produziert werden, kann das Warten auf die tatsächliche Verfügbarkeit bedeuten, dass man die gewünschte Figur später überhaupt nicht mehr bekommt.
Vorbestellungen sind außerdem kein Modell, das ausschließlich im Bereich der Sammlerfiguren eingesetzt wird. Auch in anderen Branchen funktioniert dieses Prinzip seit vielen Jahren erfolgreich. Das eigentliche Risiko liegt vor allem darin, auf welche Weise manche Händler ihre Kunden zur Zahlung auffordern.
Es ist durchaus möglich, weiterhin vorzubestellen und gleichzeitig die damit verbundenen Risiken deutlich zu reduzieren. Dafür müssen lediglich einige einfache Grundsätze beachtet werden.
In diesem Ratgeber gehen wir diese Punkte Schritt für Schritt durch, damit Sie Ihrer Sammelleidenschaft mit größerer Sicherheit nachgehen können.
Warum sind Sammler bei Vorbestellungen so vorsichtig geworden?
Wenn ein Sammler eine Figur vollständig bezahlt, die erst in zwölf, achtzehn oder vierundzwanzig Monaten erhältlich sein wird, vertraut er einem Händler sein Geld für einen sehr langen Zeitraum an.
Während dieser Zeit besitzt er weder die Figur noch das dafür gezahlte Geld.
Gerät der Händler in finanzielle Schwierigkeiten, kann seine Lieferanten nicht mehr bezahlen oder stellt seinen Geschäftsbetrieb ein, besteht die Gefahr, dass der Kunde seine Bestellung niemals erhält.
Oft bemerkt der Kunde erst sehr spät, dass ein Händler Probleme hat – möglicherweise zu spät, um noch vom Käuferschutz von PayPal oder vom Schutz seines Kreditkartenanbieters zu profitieren.
Denn Zahlungsabsicherungen gelten nicht unbegrenzt. Eine Frist von maximal 180 Tagen zur Eröffnung eines Konfliktfalls wegen nicht erhaltener Ware gehört zu den am häufigsten angewandten Zeitlimits.
Eine sehr lange im Voraus geleistete vollständige Zahlung bringt den Sammler daher in eine besonders verletzliche Position.
Vorbestellungen bleiben dennoch unverzichtbar
Der Zweck einer Vorbestellung besteht nicht darin, Händlern zu ermöglichen, lange vor der Lieferung das vollständige Geld des Kunden einzunehmen.
Vorbestellungen erfüllen vielmehr eine wesentliche Funktion innerhalb des Marktes für Sammlerfiguren.
Sie helfen Herstellern, die Nachfrage einzuschätzen
Die meisten Sammlerfiguren werden nur in begrenzten Stückzahlen produziert.
Bevor die Produktion beginnt, muss der Hersteller entscheiden, wie viele Exemplare gefertigt werden. Dabei orientiert er sich unter anderem an den Bestellungen, die von Distributoren und Händlern eingegangen sind.
Vorbestellungen ermöglichen es dem Hersteller daher, die tatsächliche Nachfrage deutlich genauer einzuschätzen.
Werden zu wenige Figuren produziert, können viele Sammler das gewünschte Modell nicht mehr bekommen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass das Produkt unmittelbar nach Veröffentlichung stark spekulativ gehandelt wird.
Werden dagegen zu viele Exemplare produziert, können Distributoren und Händler auf größeren Mengen unverkaufter Ware sitzen bleiben, die später möglicherweise reduziert verkauft werden müssen. Dies kann sich negativ auf die Wertwahrnehmung des Produkts und auf den Kauf früherer Sammler auswirken.
Einige Hersteller, wie beispielsweise Good Smile Company, erklären ausdrücklich, dass die Produktionsmengen bestimmter Figuren anhand der Anzahl der eingegangenen Vorbestellungen festgelegt werden.
Sie ermöglichen Sammlern, sich ihre Figur zu sichern
Für Sammler bietet eine Vorbestellung die Möglichkeit, sich ein Exemplar verbindlich reservieren zu lassen.
Nach Abschluss der Produktion erhalten Händler eine festgelegte Menge. Sobald sämtliche verfügbaren Exemplare reserviert wurden, ist das Produkt nicht mehr erhältlich – teilweise bereits mehrere Monate vor dem offiziellen Erscheinungstermin.
Diese Reservierung wird umso wichtiger, da die verfügbaren Stückzahlen bei vielen Produktreihen zunehmend knapper werden.
Wir stellen fest, dass Hersteller ihre Produktionsmengen heute bei zahlreichen Serien wesentlich genauer an den tatsächlich eingegangenen Vorbestellungen ausrichten.
Auch eine spätere Neuauflage sollte keinesfalls als selbstverständlich betrachtet werden. Selbst wenn eine beliebte Figur in der Vergangenheit bereits erneut produziert wurde, gibt es keinerlei Garantie dafür, dass noch eine weitere Auflage folgen wird.
Wer ein bestimmtes Modell unbedingt haben möchte und darauf hofft, es nach Veröffentlichung noch auf Lager zu finden, muss daher das Risiko in Kauf nehmen, es endgültig zu verpassen.
Eine Vorbestellung kann auch preislich interessant sein
Eine Figur vorzubestellen kann zudem einen finanziellen Vorteil bieten.
Zum Verkaufsstart eines neuen Produkts bieten Händler teilweise spezielle Vorbestellpreise an, die günstiger sind als der Preis, der nach der Veröffentlichung gelten wird.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Wurde eine Figur in deutlich höheren Stückzahlen produziert als tatsächlich nachgefragt, können verbleibende Lagerbestände später rabattiert oder im Abverkauf angeboten werden. Nach unserer Erfahrung kommt dies jedoch zunehmend seltener vor.
Vorbestellungen funktionieren auch in anderen Branchen sehr gut
Das Prinzip der Vorbestellung ist keineswegs auf Sammlerfiguren beschränkt.
Wenn ein Kunde beispielsweise ein Auto bestellt, das erst noch produziert werden muss, bezahlt er in der Regel nicht den vollständigen Kaufpreis ein Jahr vor der Auslieferung.
Er leistet bei der Bestellung eine Anzahlung und begleicht den Restbetrag, wenn das Fahrzeug beim Händler verfügbar ist.
Möchte er den Kauf finanzieren, wird die Finanzierung in der Regel erst zum Zeitpunkt der Restzahlung eingerichtet. Der Kunde beginnt also mit der Rückzahlung, sobald er das Fahrzeug tatsächlich erhält.
Er zahlt nicht ein Jahr lang für ein Auto, das er noch gar nicht fahren kann!
Die gleiche Logik sollte auch für Sammlerfiguren gelten:
- der Sammler leistet eine Anzahlung, um die Figur zu reservieren;
- der Händler bestellt das Exemplar bei seinem Lieferanten;
- der Restbetrag wird angefordert, sobald die Figur kurz vor dem Eintreffen steht;
- der Kunde bezahlt den Restbetrag vollständig oder nutzt eine echte Ratenzahlungslösung wie Alma oder PayPal;
- die Figur kann anschließend unmittelbar versendet werden.
Vorbestellungen funktionieren also problemlos, wenn die Zahlung vernünftig organisiert wird und zwei grundlegende Prinzipien eingehalten werden.
Erster Grundsatz: Vor Ankunft des Produkts nur eine Anzahlung leisten
Die einfachste Möglichkeit, das Risiko zu begrenzen, besteht darin, eine Figur nicht vollständig zu bezahlen, solange sie noch nicht verfügbar ist.
Mit einer Anzahlung kann die Reservierung bestätigt werden, ohne dass der gesamte Kaufpreis unnötig lange gebunden ist.
Bei einer Figur im Wert von 500 Euro macht es einen erheblichen Unterschied, ob der Kunde:
- eine Anzahlung von 100 Euro leistet;
- oder sofort die vollständigen 500 Euro bezahlt.
Der potenziell gefährdete Betrag bleibt bei einer Anzahlung deutlich geringer.
Dennoch verlangen manche Händler bereits bei der Vorbestellung die vollständige Zahlung.
Der Kunde muss dann den gesamten Preis für eine Figur bezahlen, die möglicherweise erst achtzehn Monate später geliefert wird.
Diese Vorgehensweise verlagert nahezu das gesamte Risiko auf den Sammler.
Der Händler erhält sofort den vollständigen Kaufpreis, während der Kunde auf Produktion und Lieferung warten muss.
Während dieses Zeitraums können unterschiedliche Probleme auftreten:
- der Hersteller kann Verzögerungen haben;
- der Distributor kann die dem Händler zugeteilten Mengen reduzieren;
- der Händler kann Liquiditätsprobleme bekommen;
- der Händler kann seine Lieferanten möglicherweise nicht bezahlen;
- das Unternehmen kann seinen Geschäftsbetrieb einstellen;
- die Frist zur Anfechtung der Zahlung kann ablaufen.
Eine vollständige Zahlung kann natürlich weiterhin als freiwillige Option angeboten werden. Sie sollte jedoch nicht die einzige Möglichkeit sein, eine Figur zu reservieren, deren Erscheinungstermin noch weit in der Zukunft liegt.
Zweiter Grundsatz: Mit einer Ratenzahlung erst beginnen, wenn das Produkt verfügbar ist
Viele Sammler glauben, sie müssten bereits Monate vor dem Eintreffen ihrer Figur mit der Zahlung beginnen, um die Kosten über einen längeren Zeitraum verteilen zu können.
Das ist nicht notwendig.
Der Kunde kann bei der Reservierung zunächst eine Anzahlung leisten und anschließend eine echte Ratenzahlung nutzen, sobald die Figur verfügbar ist.
So kann er das Produkt unmittelbar erhalten und den Kauf dennoch gemäß dem vereinbarten Zahlungsplan zurückzahlen.
Wie funktioniert eine echte Ratenzahlung?
Bei einer Lösung wie Alma oder PayPal Ratenzahlung beziehungsweise PayPal „Bezahlen in 4 Raten“ wird die Finanzierung von einem spezialisierten Anbieter übernommen, der dem Händler den erforderlichen Betrag zur Verfügung stellt.
Der Händler erhält den vollständigen Kaufpreis sofort. Der Kunde zahlt anschließend den Finanzdienstleister entsprechend den vereinbarten Bedingungen zurück.
Der Vertrag legt unter anderem fest:
- die Anzahl der Raten;
- die Höhe jeder Rate;
- eventuell anfallende Gebühren;
- die Voraussetzungen für die Genehmigung;
- die Identität des Unternehmens, das die Finanzierung bereitstellt.
Ein spezialisierter Anbieter kann zusätzlich als Sicherheitsmechanismus dienen
Die Nutzung eines spezialisierten Anbieters hat noch einen weiteren Vorteil: Nicht der Händler entscheidet darüber, ob eine Ratenzahlung genehmigt wird.
Je nach Art der angebotenen Finanzierung kann der Anbieter verschiedene Prüfungen durchführen, um festzustellen, ob der Kunde in der Lage ist, die vorgesehenen Raten zu begleichen.
Bei Finanzierungen, die unter die Vorschriften für Verbraucherkredite fallen, gehört die Prüfung der Kreditwürdigkeit zum regulären Genehmigungsverfahren. Dabei können sowohl die finanzielle Situation des Kunden als auch bereits bestehende finanzielle Verpflichtungen berücksichtigt werden.
Ein Anbieter kann außerdem Informationen über Finanzierungen berücksichtigen, die er demselben Kunden bereits gewährt hat – auch wenn die entsprechenden Käufe bei unterschiedlichen Händlern getätigt wurden, die denselben Dienstleister nutzen.
Eine neue Finanzierung kann daher abgelehnt werden, wenn der Anbieter davon ausgeht, dass eine zusätzliche finanzielle Belastung ein zu großes Risiko darstellen würde.
Solche Prüfungen bieten selbstverständlich keinen vollständigen Schutz vor Überschuldung, und ihre genaue Ausgestaltung unterscheidet sich je nach Anbieter, Land und Art der verwendeten Ratenzahlung. Dennoch besteht hier ein wesentlicher Unterschied zu einem händlereigenen Zahlungsplan, bei dem der Händler lediglich nacheinander einzelne Beträge einzieht, ohne als tatsächlicher Finanzierungsanbieter aufzutreten.
Dieses System ist besonders sinnvoll, wenn das Produkt bereits verfügbar ist: Der Kunde kann seine Zahlung auf mehrere Raten verteilen und erhält die Figur dennoch sofort, ohne bis zur letzten Rate warten zu müssen.
Warum ist es keine gute Idee, schon früher mit der Rückzahlung zu beginnen?
Nehmen wir eine Figur zum Preis von 600 Euro, deren Veröffentlichung erst in zwölf Monaten geplant ist.
Der Kunde stimmt unmittelbar einem Zahlungsplan zu, bei dem er zehn Monate lang jeweils 60 Euro bezahlt.
Nach Ablauf des Zahlungsplans hat der Kunde die vollständigen 600 Euro bezahlt. Die Figur ist zu diesem Zeitpunkt jedoch noch immer nicht verfügbar.
Der Kunde hat das Produkt also vollständig bezahlt, bevor er es überhaupt erhalten kann.
Er hätte dieselben 60 Euro jeden Monat einfach auf seinem eigenen Bankkonto zurücklegen und den Restbetrag erst bei Ankunft der Figur begleichen können.
Auf diese Weise hätte er während der gesamten Produktionsphase die Kontrolle über sein Geld behalten.
Welche weiteren Warnsignale sollten Sie beachten?
Kein einzelnes Anzeichen beweist für sich genommen, dass ein Händler kurz vor der Insolvenz steht oder fragwürdige Geschäftspraktiken anwendet.
Vorsicht ist jedoch angebracht, wenn mehrere Warnsignale gleichzeitig auftreten.
Seien Sie vorsichtig bei händlereigenen Zahlungsplänen
Manche Händler und Marken, die direkt an Endkunden verkaufen, organisieren ihre eigenen monatlichen Zahlungspläne für Vorbestellungen.
Sie schicken dem Kunden jeden Monat einen Zahlungslink oder richten automatische Belastungen der Bankkarte ein.
Dafür können sie beispielsweise einen Dienst verwenden, der eigentlich zur Verwaltung wiederkehrender Abonnementzahlungen gedacht ist, etwa Stripe.
Stripe fungiert in diesem Fall jedoch lediglich als Zahlungsabwickler.
Die Nutzung von Stripe macht einen Händler weder zu einem Finanzinstitut noch bedeutet sie, dass der Kunde einen echten Verbraucherkredit erhält.
In den meisten Fällen funktioniert das System schlicht folgendermaßen:
- der Händler teilt den Kaufpreis in mehrere Zahlungen auf;
- er zieht jede Rate direkt ein;
- er erhält dadurch nach und nach den vollständigen Kaufpreis;
- der Kunde wartet weiterhin auf die Produktion seiner Figur.
Der Kunde bezahlt sein Produkt also lediglich im Voraus und in mehreren Teilbeträgen, während er weiterhin ein erhebliches Risiko trägt.
Bei solchen Zahlungsplänen müssen zudem in der Regel sämtliche Raten vollständig beglichen sein, bevor der Händler die Ware versendet.
Was sagt das Gesetz zu Ratenzahlungen?
Ein Händler kann nicht einfach selbst einen Kredit über zwölf oder achtzehn Monate anbieten, als würde er lediglich ein gewöhnliches Abonnement einrichten.
In Belgien fallen Ratenzahlungen, die sich über mehr als zwei Monate erstrecken, unter die Vorschriften für Verbraucherkredite.
Ein Unternehmen, das selbst echte Kredite anbieten möchte, muss bestimmte gesetzliche Voraussetzungen erfüllen. Abhängig vom verwendeten Modell muss es entweder über die erforderliche Zulassung als Kreditgeber verfügen oder mit einem zugelassenen Finanzdienstleister zusammenarbeiten.
Der Zugang zum Status eines Kreditgebers wird in Belgien von der FSMA, der belgischen Finanzmarktaufsicht, kontrolliert.
Dabei handelt es sich keineswegs um eine einfache Formalität. Das Unternehmen muss ein vollständiges Zulassungsverfahren durchlaufen und Anforderungen erfüllen, die unter anderem seine Geschäftsleitung, Organisation und finanzielle Situation betreffen.
In Frankreich gilt derzeit für zinsfreie Zahlungen, die auf höchstens drei Monate verteilt werden, ein vereinfachteres Regelwerk.
Bei längeren Laufzeiten kann die Zahlung unter die Vorschriften für Verbraucherkredite fallen, wodurch zusätzliche Anforderungen gelten.
Was Sie daraus mitnehmen sollten
Für einen kleinen unabhängigen Händler von Sammlerfiguren – und selbst für einen größeren Hersteller – wäre es äußerst ungewöhnlich, über die Zulassung zu verfügen, die erforderlich ist, um selbst echte Verbraucherkredite anzubieten.
Händler, die eigene interne Zahlungspläne anbieten, weisen in der Regel nicht auf folgende Punkte hin:
- eine Zulassung als Kreditgeber;
- einen klar benannten Finanzpartner;
- einen echten Kreditvertrag;
- eine Prüfung der Rückzahlungsfähigkeit des Kunden.
Jeden Monat einen Stripe-Zahlungslink zu verschicken oder den Kunden zu einer Banküberweisung aufzufordern, reicht nicht aus, um aus einem Zahlungsplan einen echten Kreditdienst zu machen.
Wenn kein Finanzdienstleister eindeutig genannt wird, sollte der Kunde davon ausgehen, dass der Händler lediglich den Kaufpreis der Figur im Voraus einzieht.
Die entscheidende Frage lautet daher: Kann mein Produkt versendet werden, bevor ich die letzte Rate bezahlt habe?
Wenn die Antwort Nein lautet, würden wir mit Gandalf sagen: „Flieht, ihr Narren!“
Sollte ein Rabatt für vollständige Vorauszahlung Sie misstrauisch machen?
Sagen wir es ganz klar: ja.
Manche Händler bieten Kunden einen Rabatt an, wenn sie ihre Vorbestellung sofort vollständig bezahlen.
Auf den ersten Blick kann das attraktiv wirken:
- eine Anzahlung leisten und den regulären Preis bezahlen;
- oder sofort vollständig bezahlen und dafür einen Rabatt erhalten.
Dieser Rabatt ist für den Händler jedoch nicht kostenlos. Er verzichtet bewusst auf einen Teil seiner Marge, um Ihr Geld früher zu erhalten.
Zumindest zeigt dies, dass eine sofortige Zahlung für den Händler einen erheblichen Wert hat und möglicherweise auf einen erhöhten Liquiditätsbedarf hinweist – insbesondere wenn:
- der Rabatt ungewöhnlich hoch ist;
- der Erscheinungstermin des Produkts noch weit entfernt liegt;
- der Händler regelmäßig solche Aktionen anbietet;
- bereits Lieferverzögerungen gemeldet werden;
- bei nahezu allen neuen Vorbestellungen stark zur vollständigen Vorauszahlung geraten wird.
Bevor Sie ein solches Angebot annehmen, sollten Sie sich fragen, ob die Ersparnis das zusätzliche Risiko tatsächlich rechtfertigt.
20 oder 30 Euro zu sparen ist nicht immer ein ausreichender Grund, einem Händler, dessen finanzielle Situation Sie nicht kennen, 500 Euro für achtzehn Monate anzuvertrauen.
Ein Händler kann die Lieferung nicht unbegrenzt verschieben
Der Verkäufer ist gesetzlich verpflichtet, dem Kunden vor Abschluss der Bestellung einen Lieferzeitraum mitzuteilen.
Bei einer Vorbestellung kann diese Angabe in Form eines Monats, eines Quartals oder eines geschätzten Lieferzeitraums erfolgen. Ein Händler kann sich jedoch nicht darauf beschränken, anzugeben, dass das Produkt geliefert wird, „sobald der Hersteller es verschickt hat“.
Der zum Zeitpunkt der Bestellung angegebene Termin oder Lieferzeitraum ist für den Verkäufer verbindlich.
Eine Verzögerung beim Hersteller kann eine Verschiebung erklären, erlaubt dem Händler jedoch nicht, den Liefertermin unbegrenzt immer weiter nach hinten zu verschieben, ohne dem Kunden eine Alternative anzubieten.
Was kann der Kunde tun, wenn der angekündigte Liefertermin überschritten wurde?
Wurde der angekündigte Termin oder Lieferzeitraum überschritten, kann der Kunde den Händler auffordern, die Bestellung innerhalb einer zusätzlichen angemessenen Frist zu liefern.
Wird die Figur auch innerhalb dieser zusätzlichen Frist nicht geliefert, kann der Kunde die Bestellung stornieren und die Rückzahlung der bereits geleisteten Beträge verlangen.
Ein Händler darf den Kunden nicht unbegrenzt an seine Bestellung binden
Ein Händler kann den Liefertermin nicht ständig verschieben und gleichzeitig jede Stornierung ablehnen.
Ebenso wenig kann er gesetzlich vorgesehene Rechte durch folgende Bedingungen ausschließen:
- Stornierungsgebühren nach Ablauf des Lieferzeitraums;
- eine Erstattung ausschließlich in Form eines Gutscheins;
- die Verpflichtung, auf eine offizielle Stornierung durch den Hersteller zu warten;
- eine Klausel, die eine unbegrenzte Verschiebung des Liefertermins erlaubt.
Der Vertrag besteht zwischen dem Kunden und dem Händler, nicht zwischen dem Kunden und dem Hersteller. Daher bleibt der Händler für Lieferung und Erstattung verantwortlich, auch wenn die Verzögerung ursprünglich bei seinem Lieferanten entstanden ist.
Verzögerungen kommen in der Sammlerfigurenbranche häufig vor, heben die gesetzlichen Rechte des Verbrauchers jedoch nicht auf.
Warum gewährt Myth Factory eine Toleranzfrist von sechs Monaten?
Bei Myth Factory handelt es sich bei dem auf einer Vorbestellseite angegebenen Liefertermin um eine Schätzung.
Auf jeder betroffenen Produktseite weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass sich dieser Termin ändern kann.
Leider halten sich Hersteller von Sammlerfiguren nur selten exakt an die ursprünglich zum Start der Vorbestellungen angekündigten Zeitpläne. Verzögerungen von mehreren Monaten sind in dieser Branche nach wie vor üblich.
Daher haben wir eine klare Grenze festgelegt, die diese Realität berücksichtigt, ohne unsere Kunden dazu zu zwingen, unbegrenzt auf ihre Bestellung zu warten.
Wird der bei der Bestellung angekündigte Liefertermin um mehr als sechs Monate überschritten, kann der Kunde eine vollständige Erstattung seiner Vorbestellung verlangen.
In diesem Fall werden keine Stornierungsgebühren einbehalten.
Diese Sechs-Monats-Frist gibt dem Kunden eine klare zeitliche Grenze.
Ein Kunde muss immer die Möglichkeit haben, aus seiner Bestellung auszusteigen.
Kundenbewertungen erzählen nicht immer die ganze Geschichte
Bewertungen auf Google, Trustpilot, Facebook und anderen Plattformen können hilfreich sein, um einen Händler einzuschätzen.
Sie sollten sich jedoch nicht ausschließlich an der durchschnittlichen Bewertung orientieren.
Ein Händler kann über Jahre hinweg Tausende von Bestellungen problemlos ausgeliefert haben und dennoch bei seinen neuesten Vorbestellungen erhebliche Probleme haben.
Wenn die durchschnittliche Bewertung zu sinken beginnt, fordern manche Unternehmen zahlreiche zufriedene Kunden dazu auf, innerhalb kurzer Zeit positive Bewertungen abzugeben.
Kunden um authentische Bewertungen zu bitten, ist selbstverständlich nicht grundsätzlich problematisch.
Eine plötzliche Welle positiver Bewertungen kann jedoch aktuelle Warnmeldungen überdecken, ohne dass die zugrunde liegenden Probleme tatsächlich gelöst wurden.
Beachten Sie vor einer Vorbestellung daher insbesondere:
- Bewertungen aus den vergangenen Monaten;
- Kommentare, die sich konkret auf Vorbestellungen beziehen;
- die Reaktionen des Händlers auf unzufriedene Kunden;
- Erfahrungsberichte in Sammlergruppen und Communities;
- plötzliche Veränderungen bei der Anzahl neuer Bewertungen;
- wiederkehrende Beschwerden über dieselben Probleme.
Eine gute historische Bewertung garantiert nicht, dass sich der Händler heute noch in einer gesunden finanziellen Lage befindet.
Die Empfehlung eines Influencers ist keine Garantie für die finanzielle Stabilität eines Händlers
Videos, Beiträge und Empfehlungen von Influencern können dabei helfen, einen Händler zu entdecken. Sie sollten jedoch niemals die eigenen Prüfungen ersetzen, bevor Sie einem Unternehmen Ihr Geld anvertrauen.
Ein Content Creator kann seine eigenen Bestellungen problemlos erhalten haben, seit Jahren ein gutes Verhältnis zum Händler pflegen oder mit dem Unternehmen zusammenarbeiten, ohne dessen tatsächliche finanzielle Situation zu kennen.
In der Regel hat er weder Einblick in die Liquidität des Unternehmens noch in dessen Schulden, Lieferantenrechnungen oder möglicherweise aufgelaufene Zahlungsrückstände.
Selbst eine vollkommen gutgläubige Empfehlung sagt daher nichts darüber aus, ob ein Händler in zwölf oder achtzehn Monaten noch über ausreichende Mittel verfügen wird, um seine Lieferanten zu bezahlen und sämtliche Vorbestellungen auszuliefern.
Dies ist besonders relevant, wenn ein Influencer einen Rabattcode, kostenlose Produkte, Affiliate-Provisionen oder andere Formen einer kommerziellen Zusammenarbeit mit dem Händler erhält.
Solche Kooperationen bedeuten keineswegs automatisch, dass eine Empfehlung irreführend ist. Sie sind lediglich ein zusätzlicher Grund, diese Empfehlung nicht als Garantie für die finanzielle Zuverlässigkeit eines Händlers zu betrachten.
Prüfen Sie daher vor einer größeren Vorbestellung das Unternehmen selbst: Wie lange besteht es bereits? Welche Zahlungspraktiken verwendet es? Wie sieht seine finanzielle Situation aus, sofern Jahresabschlüsse öffentlich zugänglich sind? Welche Geschäftsbedingungen gelten? Und vor allem: Welche aktuellen Erfahrungen berichten Kunden bezüglich der Auslieferung von Vorbestellungen?
Was sollten Sie vor einer Vorbestellung überprüfen?
Identifizieren Sie das Unternehmen hinter der Website
Überprüfen Sie, ob folgende Informationen eindeutig verfügbar sind:
- der offizielle Firmenname;
- die Geschäftsanschrift;
- die Unternehmens- oder Handelsregisternummer;
- die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer;
- das Land, in dem das Unternehmen ansässig ist;
- eine funktionierende Kontaktmöglichkeit.
Scheuen Sie sich nicht, die angegebene Telefonnummer anzurufen und zu prüfen, wie gut der Kundenservice erreichbar ist. Gleichzeitig können Sie offene Fragen dazu stellen, wie das Vorbestellsystem des Händlers in der Praxis tatsächlich funktioniert.
Lesen Sie vor allem die neuesten Bewertungen
Orientieren Sie sich nicht ausschließlich an der Gesamtbewertung. Suchen Sie gezielt nach Erfahrungsberichten zu Vorbestellungen, Rückerstattungen und Kundenservice.
Auch die Empfehlung eines Influencers, YouTube-Kanals oder einer Sammlergruppe sollte nicht als ausreichende Garantie betrachtet werden. Nutzen Sie solche Erfahrungsberichte als eine Informationsquelle unter mehreren und führen Sie zusätzlich Ihre eigenen Prüfungen durch.
Prüfen Sie, welcher Betrag bei der Reservierung verlangt wird
Fragen Sie sich, wie viel Geld Sie dem Händler anvertrauen und über welchen Zeitraum.
Prüfen Sie, wer die Ratenzahlung tatsächlich anbietet
Wenn ein Händler eine Finanzierung anbietet, sollte klar angegeben sein, welches Unternehmen diese Finanzierung bereitstellt.
Bevorzugen Sie möglichst ein System, bei dem die Genehmigung der Finanzierung und die Prüfung Ihrer Rückzahlungsfähigkeit durch einen spezialisierten Finanzdienstleister und nicht durch den Händler selbst erfolgen.
Lesen Sie die Stornierungsbedingungen
Sie sollten genau wissen:
- wann Sie stornieren können;
- ob Gebühren einbehalten werden;
- ob eine Rückerstattung in Geld oder ausschließlich als Gutschein erfolgt;
- welche Frist bei einer erheblichen Verzögerung gilt.
Prüfen Sie, wie lange Ihr Zahlungsschutz gilt
Gehen Sie nicht automatisch davon aus, dass PayPal oder Ihre Bankkarte Sie bis zur tatsächlichen Lieferung schützen.
Wenden Sie sich an Ihren Zahlungsanbieter oder Ihre Bank und informieren Sie sich über die geltenden Fristen.
Wie funktionieren Vorbestellungen bei Myth Factory?
Myth Factory ist ein belgisches Unternehmen, das sich seit 2012 auf Sammlerfiguren und Statuen spezialisiert hat.
Wir behaupten nicht, dass eine Vorbestellung vollkommen risikofrei ist.
Eine Figur, die sich noch in Produktion befindet, kann niemals exakt die gleiche Sicherheit bieten wie ein Produkt, das bereits physisch in einem Lager vorhanden ist.
Unser Ziel besteht darin, diese Risiken durch einige einfache und transparente Regeln zu reduzieren:
- der angegebene Liefertermin wird eindeutig als Schätzung gekennzeichnet;
- für die entsprechenden Vorbestellungen wird die Möglichkeit angeboten, lediglich eine Anzahlung zu leisten;
- der Restbetrag wird angefordert, wenn die Ankunft der Figur näher rückt;
- bei der Zahlung des Restbetrags kann der Kunde eine echte Ratenzahlungslösung nutzen;
- die Figur kann versendet werden, sobald sie verfügbar ist und die erste Rate bezahlt wurde;
- neue Termine, die von den Herstellern bekannt gegeben werden, werden aktualisiert, sobald sie verfügbar sind;
- Kunden können Änderungen des voraussichtlichen Liefertermins ihrer Bestellungen über ihr Kundenkonto verfolgen;
- wird der bei der Bestellung angekündigte Liefertermin um mehr als sechs Monate überschritten, kann eine vollständige Rückerstattung verlangt werden;
- in diesem Fall werden keine Stornierungsgebühren erhoben.
Eine vollständige Vorauszahlung kann weiterhin für Kunden angeboten werden, die ihre Bestellung sofort komplett bezahlen möchten.
Sie sollte jedoch nicht mit einer zwingenden Voraussetzung für die Reservierung einer Figur verwechselt werden.
Fazit
Sollten Sammler auf Vorbestellungen verzichten?
Nein.
Vorbestellungen bleiben unverzichtbar. Sie ermöglichen Herstellern, realistische Produktionsmengen zu planen, und geben Sammlern die Möglichkeit, sich die Stücke zu sichern, die sie keinesfalls verpassen möchten.
Darüber hinaus können Vorbestellungen ermöglichen, bestimmte Figuren bereits zum Verkaufsstart zu günstigeren Konditionen zu erwerben, ohne darauf angewiesen zu sein, dass nach Veröffentlichung noch Lagerbestand verfügbar ist.
Das Problem besteht nicht darin, eine Figur zu reservieren.
Das Problem entsteht dann, wenn Sie einem Händler den vollständigen Kaufpreis sehr lange vor der tatsächlichen Verfügbarkeit des Produkts anvertrauen.
Es ist daher sinnvoll, weiterhin vorzubestellen – allerdings mit der nötigen Vorsicht.
Die zwei wichtigsten Regeln
Regel Nummer 1: Solange die Figur nicht auf Lager ist, leisten Sie nur eine Anzahlung.
Regel Nummer 2: Beginnen Sie mit einer Ratenzahlung erst dann, wenn die Figur verfügbar ist und versendet werden kann.
Diese beiden Regeln beseitigen nicht sämtliche Risiken einer Vorbestellung.
Sie reduzieren jedoch sowohl den Betrag, den Sie einem Händler anvertrauen, als auch den Zeitraum, in dem Sie als Sammler einem finanziellen Risiko ausgesetzt sind, erheblich.
Fragen Sie sich daher vor der Reservierung einer Figur nicht nur, welcher Händler den niedrigsten Preis anbietet. Entscheidend ist vielmehr, welcher Händler die nötige Zuverlässigkeit bietet, um Ihre Vorbestellung unter möglichst sicheren Bedingungen abzuwickeln.